Wiesenvögel in Oberösterreich

Seit 1989 arbeite ich intensiv zur Erforschung und zum Schutz der in Oberösterreich ausnahmslos bedrohten Wiesenvögel. Die wesentlichsten Ergebnisse sind in den Projektberichten zu den landesweiten Erhebungen der Wiesenvögel in Oberösterreich zusammengefasst, die ich seit 1992 für die Landesnaturschutzbehörde koordiniere. In diesen Texten sind alle Kollegen und Kolleginnen genannt, die Teilgebiete bearbeitet haben und denen ich für ihre Unterstützung herzlich danke.

 

Im Folgenden stelle ich kurz die aktuelle oberösterreichische Situation der Leitarten Großer Brachvogel und Braunkehlchen vor. Viele weitere fachliche Details sind in den Projektberichten nachzulesen  - siehe Publikationen - 

z. B. auch über Bekassine, Kiebitz, Uferschnepfe, Schwarzkehlchen, Feldschwirl etc.

 

Großer Brachvogel in Oberösterreich

Fotos: G. Erlinger (historische Aufnahme) und J. Limberger

 

Bestandsentwicklung in Oberösterreich

In nur mehr sieben Wiesengebieten Oberösterreichs gibt es Brutvorkommen dieses größten heimischen Schnepfenvogels. Die Brutbestände nehmen trotz international gegenteiliger Trends landesweit seit 1996 um 94% zu. Mit 43-48 Paaren ist im Jahr 2016 ein neuer historischer Höchstbestand erreicht. Die größte Population brütet derzeit im Ibmer Moor mit 15-16 Paaren. Die Zuwächse basieren auf erfolgreichen Neubesiedelungen der Flughäfen Wels (10 Paare) und Hörsching (7-8 Paare). In Schutzgebieten hält diese Art ihre Bestände von 2004 weitgehend, mit Ausnahme des Ausbleibens im Kremstal. Aufgrund der Bruterfolgskontrollen ist für das Ibmer Moor in manchen Jahren sehr starker Brutverlust durch Fressfeinde anzunehmen. Für die Naturschutzgebiete Irrsee-Moore sind erhebliche Auswirkungen von Freizeitaktivitäten auf das Brutgeschehen der Brachvögel bzw. Verbesserungsvorschläge beschrieben. Näheres dazu siehe auch unter: Management von Vogelschutzgebieten 

 

 

Braunkehlchen in Oberösterreich

Fotos: H. Pfleger, J. Limberger, N. Pühringer

 

Bestandsentwicklung in Oberösterreich

Wahrscheinlich hat es bis in die 1960er Jahre mehrere tausend Braunkehlchen in Oberösterreich gegeben, verteilt auf die Wiesengebiete des Alpenvorlandes und im gesamten Mühlviertel. Durch Intensivierung der Landwirtschaft verursacht, sind die Brutbestände auf 40-60 Paare im Jahr 2016 geschrumpft. Dramatischer kann der Rückgang einer Singvogelart kaum sein!

 

Die landesweiten Bestandseinbrüche betragen in den letzten 18 Jahren 80%. Seit 1996 sind die Bestände im Alpenvorland erst auf isolierte Kleinstvorkommen geschrumpft, seit 2013 völlig erloschen. In nur mehr vier extensiv genutzten Kerngebieten in höheren Lagen des Mühlviertels (Stadlau, Dürnau, Sandl/Graben und Gugu) zeigen sich allerletzte Reliktvorkommen mit höherem Bruterfolg etwas stabiler. Der Bruterfolg liegt in den besten Gebieten zwischen 1,6 und 2,4 flüggen Jungvögeln je Paar. Gemessen am Anteil erfolgreicher Paare sind Wiesenbrachen (49%), Spätmähwiesen (27%) und Extensivweiden (14%) als die günstigste Nutzungsform nachgewiesen.

 

Das völlige Aussterben dieser ehemaligen Charakterart Oberösterreichs lässt sich nur durch rasche und konsequente Hilfsmaßnahmen verhindern. Dazu zählen Flächenanpachtungen oder Ankauf allerletzter Brutwiesen, wo deren Pflege nicht gesichert ist, Verbesserung der Förderprämien für Naturschutzleistungen der Landwirte, Intensivierung der Beratungen für beteiligte Betriebe etc.